20.07.2017 von

Was wir von Start-Ups lernen können

Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt – und den dazu passenden Buzzwords! Agile Working, Design Thinking, Lean SixSigma, Minimal Viable Products, Kanban und Scrum – die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen. Aber was steckt dahinter?

Es handelt sich um (Arbeits-) Methoden und Techniken, die sich in anderen Industrien, insbesondere in der Softwareentwicklung und im Projektmanagement digitaler Geschäftsmodelle, bewährt und etabliert haben. Diese haben auch einen eigenen Namen bekommen.

Start-ups setzen auf andere, schnelle, agile und projektorientierte Methoden, um ihre Produkte erfolgreich auf den Markt zu bringen. Der Musik-Streamingdienst Spotify beispielsweise arbeitet ausschließlich agil, in Tribes und Squads statt in Abteilungen und Hierarchien.

Wie man als Jurist mit Scrum und Design Thinking Erfolg hat

Scrum (engl. für „Gedränge“) bezeichnet dabei eine Methode, Projekte zu managen und Arbeitsabläufe zu organisieren. Scrum kommt eigentlich aus der Softwareentwicklung und ist eine Antwort auf die zunehmende Komplexität von Arbeitsprodukten. Während früher Lasten- und Pflichtenhefte geschrieben wurden, in denen detailliert dargestellt wurde, wie das Endprodukt auszusehen hat und welche Funktionen es erfüllen soll, ist diese Vorgehensweise heute durch Scrum weitgehend verdrängt.

Im Vordergrund steht das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen in sogenannten „Sprints“, ein schrittweisen Vorgehen mit dem Blick auf das jeweils nächste zu erreichende Zwischenziel. Hinzu kommen transparente Vorgehensweisen (Scrumboard) und kurze, tägliche Updates anstelle wöchentlicher Sitzungen.

Sich in die Schuhe des Mandanten stellen

„Design Thinking“ hat mit Design im engeren Sinne, also dem Gestalten von Gegenständen, wenig zu tun. Es ist vielmehr ein Ansatz, der zur Entwicklung neuer Ideen und Produkte führen soll, indem die Sicht des Nutzers, in unserem Falle den Mandanten, in den Mittelpunkt aller Überlegungen gestellt wird.

Design Thinking basiert zudem auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten. So entwickeln sie gemeinsam eine Fragestellung, berücksichtigen die Bedürfnisse und Motivationen von potenziellen Kunden und setzen Konzepte auf, die noch mehrfach getestet und hinterfragt werden. Das Verfahren orientiert sich insofern an der Arbeit von Designern, weil es eine Kombination aus Verstehen, Beobachten, Ausprobieren, Testen und Verfeinern darstellt.

Obwohl Kreativität eine wichtige Rolle spielt, folgt die Problemlösungslogik einer Choreografie, deren besonderes Merkmal das wiederkehrende Schleifen des Mandanten-Feedbacks darstellt. Das aus der Start-up-Szene bekannte Dictum „fail fast, fail early“ kommt daher, schon in einem frühen Stadium Lösungen zu verwerfen, wenn sie bei Mandanten nicht ankommen.

Start-Up-Methoden in der Rechtsberatung

Zahlreiche internationale Unternehmen und Organisationen nutzen Design Thinking als Methode in Innovationsprojekten. Dazu zählen neben Google, AirBnB, Deloitte Digital und IBM auch Siemens, die Deutsche Bahn, die Deutsche Bank und Volkswagen. Kanzleien können Design Thinking in der Arbeit mit Mandanten nutzen. In Workshops mit Rechtsabteilungen werden neue Beratungsansätze und Lösungen getestet. Dabei arbeiten Anwälte und Design Thinker aus dem Business Development Hand in Hand.

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